Gastrezension meiner Tochter: Ganze Tage im Café

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3 min read

„Ganze Tage im Café“ von Solveig Jónsdottir erzählt die
Geschichte von vier Frauen Hervör, Karen, Mía und Silja. Die alle zwar sehr
unterschiedlich sind, jedoch auch zahlreiche Parallelen aufweisen. Als ich die
Ankündigung für diesen Roman las, fand ich es sehr interessant und fand es
besonders spannend, da dieser Roman in Island spielt. Das alleine macht noch
keinen unterschied, jedoch spielt dieser Roman im Winter. Und genau diesem
Grund war es für mich etwas Besonderes, denn der isländische Winter ist dunkel
und kalt. Alle vier Frauen haben derzeit Beziehungsprobleme. Und einiges sorgt
für zusätzliches Konfliktpotenzial.

Zu Beginn dieses Buches hat es mir auch große Freude
bereitet, zur Mitte hingegen schwächt die Geschichte jedoch ein wenig ab, sie
wird seicht. Irgendwie bekommt das Buch nicht den Schwung, den es bräuchte.
Phasenweise entwickeln sich sogar ein paar Längen. Obwohl das Buch wirklich
viel versprechend begann, fehlt den Charakteren das gewisse Etwas. Man hat als
Leser den Eindruck sie entwickeln sich nicht weiter. Die Protagonistinnen
erscheinen meistens ein wenig vorhersehbar und irgendwie eindimensional. Wer an
einem Buch das dreidimensionale Funkeln der Charaktere zu schätzen weiß, der
wird an diesem Buch definitiv wenig Freude haben, wer jedoch auf der Suche nach
flotter Unterhaltung zwischendurch ist, ist hier gut bedient. Das volle
Konfliktpotenzial des Buches wird jedoch nicht ausgeschöpft. Auch wer eine
Verbindung zu der klassischen Frauenunterhaltung (Chic Lit) zieht, ist hier
falsch. Für mich ist dieses Buch als Roman nicht weiter zu klassifizieren. Einerseits
ist dieses gut, andererseits weckt das Buch gewisse Erwartungen. Je nachdem wie
diese angelegt sind, kann der Leser an der einen oder anderen Stelle enttäuscht
werden.

Meiner Meinung nach hätte es dem Roman gut getan, wenn man
ihn ein wenig gestrafft hätte, das Ende hingegen hätte ruhig etwas
ausführlicher sein dürfen. Unterhaltsam war er ja durchaus, zur reinen
Unterhaltung auch sicherlich ganz brauchbar. Jedoch frage ich mich, ob
Isländerinnen und Isländer, die diesen Roman lesen, vielleicht einen anderen
Humor haben. Mir persönlich hat das Buch trotz aller Schwächen Spaß gemacht,
jedoch würde ich es nicht zu den besten Büchern zählen, die die Bücherwelt
derzeit zu bieten hat. Wenn man so will, kann man sagen, es ist ein guter Unterhaltungsroman.
Insoweit ist es eigentlich schade, denn aus der Thematik und aus der
Parallelität hätte man vielleicht noch mehr herausholen können. Ich persönlich
muss zugeben, dass ich mir von diesem Roman etwas völlig anderes erwartet
hatte. Ich hatte diesen Roman nicht als klassischen Chic-Lit-Roman erwartet.
Das ist auch auf gar keinen Fall, jedoch hatte ich mir mehr von dieser
winterlichen Atmosphäre, von einem heimeligen Gefühl versprochen. Bei Hervör
habe ich dieses Gefühl auch gehabt, wenn sie im Café gearbeitet hat, bei der
anderen habe ich genau diese Atmosphäre weitestgehend vermisst. Alle
Protagonistinnen waren so angelegt, dass sie verschiedene Konflikte hatten,
aber ausgeschöpft wurde das volle Konfliktpotenzial nicht.

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